Pflegefachpersonen sind in der Schweiz die am stärksten gesuchte Berufsgruppe. Über 8’600 offene Stellen waren Ende 2024 ausgeschrieben. Gleichzeitig verlassen viele Fachkräfte den Beruf vorzeitig. Die Pflegeinitiative soll Abhilfe schaffen, doch der Weg ist lang. Ein Überblick über die Lage und mögliche Lösungen.
Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) veröffentlicht regelmässig Daten zum Pflegepersonal. Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Bedarf übersteigt das Angebot deutlich.
Um den Pflegebedarf der Schweizer Bevölkerung bis 2030 zu decken, werden rund 43’000 Pflegefachpersonen mit Tertiärabschluss (HF/FH) benötigt:
Bei der Sekundarstufe II (FaGe, AGS) sieht es etwas besser aus: Hier liegt der prognostizierte Deckungsgrad bei 80%. Dennoch bleibt eine Lücke.
Seit Juli 2024 gibt es unter pflegemonitoring.ch ein nationales Monitoring, das die Situation des Pflegepersonals abbildet. Es dient als Steuerungsinstrument für die Umsetzung der Pflegeinitiative.
Der Fachkräftemangel hat vielfältige Gründe. Neben der demographischen Entwicklung spielen strukturelle Probleme im Berufsfeld eine zentrale Rolle.
Mehr ältere Menschen brauchen Pflege, während gleichzeitig weniger Junge nachkommen.
46% der Pflegenden verlassen den Beruf vor der Pensionierung. Median: nach 15 Jahren.
Schichtarbeit, Personalmangel, hoher Zeitdruck und emotionale Belastung.
Lohn steht oft nicht im Verhältnis zur Verantwortung und Belastung.
Wenig Aufstiegsmöglichkeiten ohne Wechsel ins Management oder Studium.
Gesundheitsinstitutionen fehlen Mittel für bessere Personalschlüssel.
Der Fachkräftemangel lässt sich nur mit einem Bündel von Massnahmen bekämpfen. Hier die wichtigsten Ansätze auf verschiedenen Ebenen:
Die erste Etappe der Pflegeinitiative zielt auf mehr Ausbildungsabschlüsse:
Die zweite Etappe adressiert die Gründe für den Berufsausstieg:
Die Schweiz rekrutiert seit Jahren Personal aus dem Ausland:
Technologie und neue Arbeitsmodelle können entlasten:
Massnahmen, um ausgestiegene Fachkräfte zurückzuholen:
Selbst bei optimaler Umsetzung aller Massnahmen wird es Jahre dauern, bis sich die Situation verbessert. Eine HF-Ausbildung dauert 3 Jahre, ein FH-Studium 4 Jahre. Die Wirkung der Ausbildungsoffensive zeigt sich frühestens ab 2027.
Die Nordwestschweiz ist wie andere Regionen stark vom Fachkräftemangel betroffen. Gleichzeitig bietet die Region mit dem Universitätsspital Basel, den Kantonsspitälern und zahlreichen Langzeitpflegeeinrichtungen viele Arbeitsplätze.
Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft setzen die Ausbildungsoffensive aktiv um. Pflegestudierende können finanzielle Unterstützung beantragen. Mehr Infos bei den kantonalen Gesundheitsdepartementen.
Stand 2025 und was sich ändert
Karrierechancen in der Nordwestschweiz
Übersicht aller Ausbildungswege
Die Zahlen im Detail
Ursachen des Mangels
Lösungsansätze
Situation in der Region Basel
Quellen und weiterführende Informationen
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Bedarf bis 2030
Deckungsgrad Pflegepersonal Tertiärstufe (Prognose 2029)
Nationales Monitoring Pflegepersonal
Keine schnelle Lösung
Besonderheiten der Region
Ausbildungsbeiträge Basel
Pflegeinitiative Umsetzung
Weiterbildungen Region Basel
Gesundheitsberufe Schweiz
Demographischer Wandel
Hohe Berufsausstiegsrate
Belastende Arbeitsbedingungen
Unattraktive Entlöhnung
Fehlende Karriereperspektiven
Unterfinanzierung
Ausbildungsoffensive (Pflegeinitiative Etappe 1)
Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Pflegeinitiative Etappe 2)
Internationale Rekrutierung
Digitalisierung und Skill-Grade-Mix
Wiedereinstieg und Verbleib fördern
- 16’000 für den zusätzlichen Bedarf durch demographischen Wandel
- 27’500 zum Ersatz von Abgängen (Pensionierungen, Berufsausstieg)
- Finanzielle Unterstützung für Studierende (HF/FH)
- Mehr praktische Ausbildungsplätze in Betrieben
- Förderung innovativer Ausbildungsmodelle
- Bessere Betreuung durch mehr Praxisausbildner/innen
- Verlängerte Ankündigungsfristen für Dienstpläne
- Zuschläge für kurzfristige Arbeitseinsätze
- Bessere Personalschlüssel
- Stärkung der Selbstständigkeit und Kompetenzen
- Anerkennung ausländischer Diplome durch SRK
- Gezielte Anwerbung in EU-Ländern
- Kritik: Ethische Bedenken («Brain Drain»), keine nachhaltige Lösung
- WHO Global Code of Practice wird oft nicht eingehalten
- Elektronisches Patientendossier (EPD) reduziert Doppelspurigkeiten
- Pflegeroboter für Logistik und einfache Tätigkeiten
- Optimierter Einsatz verschiedener Qualifikationsstufen
- Entlastung von administrativen Aufgaben
- Wiedereinstiegsprogramme mit Auffrischungskursen
- Flexible Arbeitsmodelle (Teilzeit, Jobsharing)
- Altersgerechte Arbeitsplätze für ältere Pflegende
- Betreuungsangebote für Pflegende mit Kindern
- Grenzregion: Rekrutierung aus Deutschland und Frankreich möglich
- Hohe Lebenskosten: Löhne müssen konkurrenzfähig sein
- Starke Ausbildungslandschaft: BZG, FHNW, Uni Basel
- Interprofessionelle Zusammenarbeit: Gute Vernetzung der Institutionen
- Obsan: Nationales Monitoring Pflegepersonal 2024
- UZH Stellenmarkt-Monitor: Fachkräftemangel-Index
- SBK: Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen
- Nationales Pflegemonitoring Schweiz
- GDK: Schweizerische Konferenz der Gesundheitsdirektoren
«Die Arbeitssituation vieler Berufsangehöriger hat sich seit Corona vielerorts sogar verschlechtert. Es müssen neben einer umfassenden Umsetzung der Pflegeinitiative auch Sofortmassnahmen umgesetzt werden.»
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