Medikamentenfehler gehören zu den häufigsten vermeidbaren Fehlern im Gesundheitswesen. Als Pflegefachperson trägst du eine grosse Verantwortung bei der korrekten Verabreichung von Arzneimitteln. Dieser Artikel vermittelt dir die wichtigsten Grundlagen der Pharmakologie und gibt praktische Hinweise für den sicheren Umgang mit Medikamenten.
Die 6-R-Regel ist eine Checkliste, die bei jeder Medikamentenverabreichung angewendet werden sollte. Sie hilft, Fehler zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen.
Identität überprüfen (Name, Geburtsdatum)
Wirkstoff und Handelsname kontrollieren
Menge und Stärke überprüfen
Verabreichungsweg gemäss Verordnung
Verordnete Zeit und Intervalle einhalten
Verabreichung sofort dokumentieren
Bei Hochrisiko-Medikamenten (z.B. Insulin, Antikoagulantien, Zytostatika, Opioide) sollte eine zweite Pflegefachperson die Richtigkeit kontrollieren. Das 4-Augen-Prinzip reduziert Fehler erheblich.
Je nach Wirkstoff, gewünschtem Wirkungseintritt und Zustand des Patienten werden Medikamente auf unterschiedlichen Wegen verabreicht.
Durch den Mund: Tabletten, Kapseln, Tropfen, Säfte. Häufigste Form, einfach, aber langsamer Wirkungseintritt.
Unter der Zunge: Schnelle Resorption über Mundschleimhaut. z.B. Nitroglycerin bei Angina pectoris.
Über den Enddarm: Zäpfchen, Klysmen. Bei Übelkeit/Erbrechen oder für lokale Wirkung.
Auf die Haut: Salben, Cremes, Pflaster. Lokale oder systemische Wirkung (transdermal).
In die Vene: Sofortiger Wirkungseintritt, 100% Bioverfügbarkeit. Invasiv, Infektionsrisiko.
In den Muskel: Depot-Wirkung möglich, langsamere Resorption als i.v.
Unter die Haut: z.B. Insulin, Heparin. Langsame, gleichmässige Resorption.
Über die Atemwege: Dosieraerosole, Vernebler. Lokale Wirkung in den Atemwegen oder systemisch.
Retardtabletten und -kapseln dürfen in der Regel nicht geteilt, zermörsert oder geöffnet werden. Die Retardierung würde zerstört und die gesamte Wirkstoffmenge auf einmal freigesetzt, was zu Überdosierung führen kann.
Ein grundlegendes Verständnis der häufigsten Medikamentengruppen hilft dir, Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen einzuschätzen.
Schmerzmittel: Nicht-Opioide (Paracetamol, NSAR) und Opioide (Morphin, Tramadol)
Gegen bakterielle Infektionen. Viele Gruppen mit unterschiedlichem Wirkspektrum.
Blutverdünner: Heparine, Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar), DOAKs
Blutzuckersenkende Medikamente: Insulin, orale Antidiabetika (Metformin etc.)
Blutdrucksenker: ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten
Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, Stimmungsstabilisatoren
Entwässernde Medikamente: Schleifendiuretika, Thiazide, kaliumsparende
Entzündungshemmend, immunsuppressiv. Systemisch oder lokal anwendbar.
Viele Medikamente können miteinander interagieren und sich in ihrer Wirkung verstärken, abschwächen oder neue unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Auch Nahrungsmittel können Wechselwirkungen verursachen.
Bestimmte Erkrankungen oder Zustände schliessen die Anwendung gewisser Medikamente aus. Typische Beispiele:
Das Arzneimittel-Kompendium enthält alle offiziellen Informationen zu in der Schweiz zugelassenen Medikamenten, einschliesslich Wechselwirkungen und Kontraindikationen. Es ist online unter compendium.ch verfügbar.
Nach der Medikamentenverabreichung ist die Beobachtung des Patienten wichtig. Achte auf:
Schwerwiegende oder unbekannte Nebenwirkungen sollten an Swissmedic gemeldet werden. Auch Pflegefachpersonen können Meldungen einreichen. Dies trägt zur Arzneimittelsicherheit bei.
Abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente gehören nicht in den Hausmüll oder die Toilette. In der Schweiz können sie in Apotheken oder über spezielle Entsorgungsstellen abgegeben werden. Im Spital gelten die internen Richtlinien für die Entsorgung von Arzneimitteln.
Reanimation und Notfallsituationen
Sorgfaltspflicht und Dokumentation
Sicherheitskultur und Fehlerprävention
Die 6-R-Regel
Applikationsarten
Wichtige Medikamentengruppen
Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Praktische Tipps für den Alltag
Lagerung und Entsorgung
Quellen und weiterführende Informationen
Verwandte Artikel
4-Augen-Prinzip
Übersicht der Applikationswege
⚠ Retardierte Formen nicht teilen
🚨 Häufige gefährliche Interaktionen
Kontraindikationen beachten
Arzneimittel-Kompendium der Schweiz
Sichere Medikamentenverabreichung
Beobachtung und Dokumentation
⚠ Nebenwirkungen melden
Korrekte Lagerung
Sichere Entsorgung
Notfallmanagement und BLS
Berufsrecht in der Pflege
Qualitätsmanagement
Richtiger Patient
Richtiges Medikament
Richtige Dosierung
Richtige Applikationsart
Richtiger Zeitpunkt
Richtige Dokumentation
Oral (p.o.)
Sublingual (s.l.)
Rektal (rect.)
Topisch/Kutan
Intravenös (i.v.)
Intramuskulär (i.m.)
Subkutan (s.c.)
Inhalativ
Analgetika
Antibiotika
Antikoagulantien
Antidiabetika
Antihypertensiva
Psychopharmaka
Diuretika
Kortikosteroide
- Antikoagulantien + NSAR: Erhöhtes Blutungsrisiko
- ACE-Hemmer + Kalium: Hyperkaliämie
- Marcoumar + Vitamin K: Wirkungsabschwächung
- Grapefruit + viele Medikamente: Verstärkte Wirkung durch Enzymhemmung
- Benzodiazepine + Opioide: Verstärkte Atemdepression
- Digoxin + Hypokaliämie: Toxizität erhöht
- Metformin bei Niereninsuffizienz (Laktatazidoserisiko)
- Betablocker bei Asthma (Bronchokonstriktion)
- NSAR bei Magenulkus (Blutungsrisiko)
- ACE-Hemmer in der Schwangerschaft (Teratogenität)
- Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung verabreichen
- 6-R-Regel bei jeder Verabreichung anwenden
- Störungen und Ablenkungen beim Richten vermeiden
- Hände desinfizieren vor dem Richten
- Verfalldatum und Zustand der Medikamente prüfen
- Patienten über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen informieren
- Beobachtung nach Verabreichung dokumentieren
- Unklare Verordnungen immer rückfragen
- Hat der Patient das Medikament tatsächlich eingenommen?
- Treten unerwünschte Wirkungen auf?
- Zeigt sich die erwartete Wirkung (z.B. Schmerzreduktion, Blutdrucksenkung)?
- Raumtemperatur (15-25°C): Die meisten Medikamente
- Kühlschrank (2-8°C): Insulin, manche Antibiotika, Impfstoffe
- Lichtgeschützt: Viele Lösungen und Injektabilia
- Trocken: Brausetabletten, Pulver
- Arzneimittel-Kompendium der Schweiz
- Swissmedic: Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde
- Pflegetasche.ch: Die 6-R-Regeln
- OdA GS Graubünden: Umgang mit Medikamenten
- PPM Online: 10-R-Regel der Medikamentengabe
Cave: Atemdepression bei OpioidenCave: Allergien, ResistenzentwicklungCave: Blutungsrisiko, INR-KontrolleCave: HypoglykämieCave: Hypotonie, ElektrolytstörungenCave: Sedierung, SturzgefahrCave: Elektrolytstörungen, ExsikkoseCave: Infektanfälligkeit, Blutzucker ↑
