Mobbing in der Pflege: Hierarchie, Macht und Auswege | BFG Baselland

Mobbing im Gesundheitswesen ist kein Randphänomen. Studien zeigen: Jede fünfte Pflegekraft
war bereits Opfer von systematischer Schikane. In einem Beruf, der von Fürsorge und Empathie geprägt sein sollte,
ist das ein erschreckendes Bild. Dieser Artikel zeigt, wie du Mobbing erkennst, was du tun kannst und wo du in der Schweiz Hilfe findest.

Das Wort «Mobbing» kommt vom englischen «to mob» und bedeutet «schikanieren» oder «anpöbeln».
Damit von Mobbing gesprochen werden kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein:

Ein einmaliger Konflikt oder eine hitzige Diskussion ist noch kein Mobbing.
Mobbing ist ein Prozess, bei dem eine Person systematisch ausgegrenzt, erniedrigt oder schikaniert wird.

Je nachdem, von wem das Mobbing ausgeht, unterscheidet man verschiedene Formen.
Jede Form hat ihre eigene Dynamik und erfordert unterschiedliche Strategien.

Die häufigste Form: Mobbing zwischen gleichgestellten Mitarbeitenden.
Oft entstehen solche Konflikte aus Neid, Konkurrenz oder Gruppendynamik.

Mobbing «von oben nach unten»: Vorgesetzte missbrauchen ihre Machtposition,
um einzelne Mitarbeitende zu schikanieren. Besonders schwer zu bekämpfen.

Die seltenere Form: Mitarbeitende mobben ihre Vorgesetzten.
Dies geschieht oft kollektiv und kann neue Führungskräfte betreffen.

Die Pflege ist einer der Berufe, in denen Mobbing am häufigsten vorkommt.
Das hat verschiedene strukturelle Gründe.

Studierende in der praktischen Ausbildung und junge Berufseinsteiger haben ein erhöhtes Risiko,
Opfer von Mobbing zu werden. Sie sind oft der «Blitzableiter» für Teamspannungen.

Mobbing entwickelt sich typischerweise in Phasen. Je früher du eingreifst, desto besser
sind die Chancen, den Prozess zu stoppen.

Die Grenzen zwischen normalem Konflikt und Mobbing sind manchmal fliessend.
Diese Warnsignale deuten auf systematisches Mobbing hin.

Du wirst nicht mehr gegrüsst, von Gesprächen ausgeschlossen oder deine Meinung wird ignoriert.

Du wirst aus dem Team ausgeschlossen, bei Aktivitäten nicht eingeladen oder bewusst allein gelassen.

Deine Arbeit wird permanent kritisiert, auch wenn sie einwandfrei ist. Fehler werden dir untergeschoben.

Dir werden nur noch Aufgaben unter deiner Qualifikation zugeteilt oder du bekommst gar keine Aufgaben mehr.

Über dich werden unwahre Geschichten verbreitet. Dein Ruf wird systematisch beschädigt.

Du entwickelst Schlafstörungen, Angstzustände oder depressive Symptome. Therapeutische Unterstützung bei Ängsten kann helfen, diese zu überwinden.

Wenn du Mobbing erlebst oder beobachtest, ist es wichtig, richtig zu handeln.
Hier sind konkrete Strategien für Betroffene.

Wenn du beobachtest, dass jemand gemobbt wird, bist du nicht machtlos.
Wegschauen macht dich zum Teil des Problems.

In der Schweiz haben Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten.
Sie müssen präventive Massnahmen ergreifen und bei Kenntnis von Mobbing einschreiten.
Mobbing selbst ist kein eigener Straftatbestand, aber einzelne Handlungen können Straftaten darstellen
(Ehrverletzung, Nötigung, Körperverletzung).

Symptome erkennen und vorbeugen

Professionelle Begleitung im Berufsalltag

Innere Stärke aufbauen


Was ist Mobbing genau?


Die drei Formen von Mobbing


Warum gerade in der Pflege?


Die vier Phasen von Mobbing


Woran erkennst du Mobbing?


Was kannst du tun?


Als Zeuge handeln


Die Hierarchie im Krankenhaus

Strukturelle Risikofaktoren


Typischer Verlauf


Hilfe in der Schweiz

Quellen und weiterführende Links

Verwandte Artikel

Horizontales Mobbing

Bossing

Staffing


Besonders gefährdet

Kommunikation wird eingeschränkt

Soziale Isolation

Ständige Kritik

Degradierende Aufgaben

Gerüchte und Tratsch

Gesundheitliche Auswirkungen


Schritte bei Mobbing


Das hilft


Das schadet


Rechtliche Grundlagen in der Schweiz

Burnout im Gesundheitswesen

Supervision und Coaching

Resilienz-Training

  • Wiederholung: Die Handlungen erfolgen regelmässig, nicht nur einmalig
  • Dauer: Das Verhalten zieht sich über einen längeren Zeitraum (mindestens einige Wochen)
  • Systematik: Es handelt sich um ein gezieltes Muster, nicht um zufällige Konflikte
  • Machtungleichgewicht: Das Opfer kann sich nicht angemessen wehren
  • Ausgrenzung aus dem Team und von Informationen
  • Gerüchte und Tratsch hinter dem Rücken
  • Arbeit sabotieren oder Fehler unterschieben
  • Öffentliches Blossstellen
  • Ständige ungerechtfertigte Kritik
  • Degradierende Aufgaben zuweisen
  • Wichtige Informationen vorenthalten
  • Öffentliche Demütigungen
  • Anweisungen ignorieren oder boykottieren
  • Negative Gerüchte verbreiten
  • Informationen zurückhalten
  • Autorität untergraben
  • Ausgeprägte Hierarchien: Klare Machtgefälle zwischen Berufsgruppen und innerhalb der Pflege
  • Hoher Stress: Personalmangel, Zeitdruck und emotionale Belastung schaffen Spannungen
  • Frauendominanz: Statistisch kommt Mobbing in frauendominierten Berufen häufiger vor
  • Schichtarbeit: Erschwert Teamzusammenhalt und Konfliktlösung
  • Tabuisierung: «Wer einen Missbrauch meldet, wird Opfer von Mobbing»
  • Alles schriftlich dokumentieren
  • Ruhig und sachlich bleiben
  • Zeugen für Vorfälle finden
  • Professionelle Hilfe suchen
  • Auf eigene Gesundheit achten
  • Rechtliche Möglichkeiten prüfen
  • Schweigen und hoffen, dass es aufhört
  • Zurückmobben oder eskalieren
  • Sich selbst die Schuld geben
  • Sich sozial isolieren
  • Die eigene Gesundheit ignorieren
  • Überstürzt kündigen
  • Nicht mitmachen: Verweigere dich an Tratsch, Ausgrenzung oder Schikanen
  • Solidarität zeigen: Sprich mit dem Opfer, zeige, dass du nicht einverstanden bist
  • Einschreiten: In konkreten Situationen kannst du eingreifen und Grenzen setzen
  • Melden: Informiere Vorgesetzte oder HR über das, was du beobachtet hast
  • Zeuge sein: Biete an, als Zeuge für das Opfer auszusagen
  1. Dokumentieren
    Führe ein Tagebuch: Datum, Uhrzeit, was passiert ist, wer dabei war. Sachlich und konkret.
  2. Verbündete suchen
    Sprich mit vertrauenswürdigen Kollegen. Du bist nicht allein und brauchst Unterstützung.
  3. Gespräch suchen (wenn möglich)
    In frühen Phasen kann ein direktes Gespräch mit der mobbenden Person helfen. Bleib sachlich.
  4. Vorgesetzte informieren
    Bei horizontalem Mobbing: Wende dich an deine Vorgesetzten. Bei Bossing: An die nächsthöhere Ebene oder HR.
  5. Externe Hilfe holen
    Wenn interne Wege nicht funktionieren: Kontaktiere eine Beratungsstelle oder hole rechtliche Beratung.

Chefärzte / KlinikleitungÄrztlicher DienstPflegefachpersonen / PflegeleitungLernende / Praktikanten

Unter Kolleginnen und KollegenDurch VorgesetzteGegen Vorgesetzte1Verdeckte KonfliktphaseErste Spannungen und ungelöste Konflikte. Noch keine offenen Angriffe, aber eine zunehmend angespannte Atmosphäre.2EskalationDer Konflikt richtet sich gegen eine Person. Erste systematische Ausgrenzung, Gerüchte und Schikanen beginnen.3ManifestationDas Mobbing wird offensichtlich. Das Opfer zeigt erste Symptome: Krankheit, Leistungsabfall, sozialer Rückzug.4EndphaseDas Opfer verlässt die Stelle (Kündigung, Krankheit, Versetzung). Ohne Intervention ist dies oft das Ergebnis.

20%
der Pflegekräfte waren bereits Mobbing-Opfer
50%
haben Mobbing am Arbeitsplatz beobachtet
10%
geben zu, selbst schon gemobbt zu haben
4,4%
der CH-Erwerbstätigen sind Mobbingopfer

Höchste Entscheidungsmacht

Medizinische Entscheidungen

Pflegerische Versorgung

Am stärksten gefährdet für Mobbing

Fachstelle Mobbing und Belästigung
044 450 10 16
fachstelle-mobbing.ch
Mobbing-Erstberatung (M.E.B.)
044 261 49 77
Für Frauen und Männer
Die Dargebotene Hand
143
24h, auch bei Mobbing
Kanton Basel-Stadt
bs.ch
Beratung Arbeitsbeziehungen