Psychosomatik verstehen: Wenn der Körper die Seele spricht | BFG Baselland

Bei einem Drittel aller Patienten finden Ärzte keine körperliche Ursache für ihre Beschwerden.
Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Psychosomatische Beschwerden
sind real
, sie entstehen im Zusammenspiel von Körper und Psyche.
Für Pflegefachpersonen ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu verstehen.

Der Begriff «Psychosomatik» setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen:

Psychosomatik bedeutet: Körper und Seele sind untrennbar verbunden.
Seelische Belastungen können körperliche Symptome auslösen, und körperliche
Erkrankungen beeinflussen das seelische Befinden.

Psychosomatische Medizin betrachtet den Menschen ganzheitlich. Sie fragt nicht nur
«Was fehlt Ihnen?», sondern auch «Was belastet Sie?». Körperliche Beschwerden werden
im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte, den sozialen Umständen und dem
psychischen Befinden betrachtet.

Menschen mit psychosomatischen Beschwerden sind keine Simulanten.
Die Schmerzen, die Übelkeit, das Herzrasen sind körperlich real und messbar.
Der Unterschied: Die Ursache liegt nicht (nur) in einem kranken Organ,
sondern im Zusammenspiel von Körper und Psyche.

Das bedeutet auch: Die Beschwerden verschwinden nicht einfach, wenn man sie ignoriert
oder den Patienten sagt, sie sollen «sich zusammenreissen».

Psychosomatische Symptome können fast jedes Organsystem betreffen.
Besonders häufig sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, im Bewegungsapparat
und im Herz-Kreislauf-System.

«Die meisten Rückenschmerzen sind die Folge seelischer und nicht organischer Probleme.
Sind Stress, Ärger und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz gross, ist das Risiko
psychisch bedingter Rückenschmerzen sehr hoch.» (Dr. Peer Eysel)

Psychosomatische Symptome entstehen nicht aus dem Nichts. Sie sind oft ein Signal
des Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Häufige Auslöser:

Beruflich oder privat

Ärger, Trauer, Angst

Partner, Familie, Arbeit

Vergangene Verletzungen

Trennung, Verlust, Umbrüche

Zu viel, zu lange

Der Mechanismus ist evolutionär sinnvoll: Bei Stress bereitet sich der Körper auf
Kampf oder Flucht vor. Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an,
die Verdauung wird heruntergefahren. Wenn dieser Zustand chronisch wird,
entstehen Beschwerden.

Psychosomatische Patienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich.
Sie wurden von Arzt zu Arzt geschickt, ohne dass eine Ursache gefunden wurde.
Manche fühlen sich nicht ernst genommen. Als Pflegefachperson kannst du viel bewirken.

Die Beschwerden sind real. Zeige dem Patienten, dass du sein Leiden siehst und anerkennst. Das ist oft schon der erste Schritt zur Besserung.

Lass den Patienten erzählen. Frage nach Lokalisation, Qualität und Intensität der Beschwerden. Zeige echtes Interesse an seinem subjektiven Erleben.

Vermeide Urteile wie «Das ist nur psychisch» oder «Stellen Sie sich nicht so an». Solche Aussagen verstärken das Leiden und beschädigen das Vertrauen.

Neben den körperlichen Symptomen auch nach Lebensumständen fragen: «Wie geht es Ihnen sonst?», «Haben Sie gerade viel Stress?»

Psychosomatische Patienten klagen oft wiederholt. Das kann ermüdend sein. Erinnere dich: Ihr Auftrag ist oft «Nimm mein Leiden ernst».

Psychosomatische Erkrankungen sind behandelbar. Im Zentrum steht meist
die Psychotherapie, ergänzt durch weitere Massnahmen:

Wie Worte heilen oder schaden

In 3 Minuten zur Ruhe finden

Multimodale Ansätze in der Pflege


Was ist Psychosomatik?


Häufige psychosomatische Beschwerden


Was löst psychosomatische Beschwerden aus?


Kommunikation mit psychosomatischen Patienten


Behandlungsansätze


Zusammenfassung


Begriffsherkunft


Das Wichtigste: Die Beschwerden sind real


Die 5 Grundprinzipien


Ganzheitliche Therapie

Quellen und weiterführende Links

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Der Orthopäde sagt:

Dauerstress

Unterdrückte Gefühle

Beziehungskonflikte

Traumata

Lebenskrisen

Überforderung

Ernst nehmen

Zuhören

Nicht bewerten

Ganzheitlich fragen

Geduld haben


Vermeide


Sage lieber

Placebo & Nocebo

Achtsamkeit

Schmerzmanagement

  • Spannungskopfschmerzen
  • Migräne
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Herzrasen, Herzstolpern
  • Brustschmerzen, Engegefühl
  • Blutdruckschwankungen
  • Kreislaufprobleme
  • Atemnot, Hyperventilation
  • Engegefühl im Hals
  • Globusgefühl («Kloss»)
  • Chronischer Husten
  • Reizdarmsyndrom
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Blähungen, Krämpfe
  • Rückenschmerzen
  • Nackenverspannungen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Hautausschläge
  • Juckreiz, Kribbeln
  • Chronische Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • «Da ist nichts, wir finden keine Ursache»
  • «Das ist nur in Ihrem Kopf»
  • «Andere haben schlimmere Probleme»
  • «Sie müssen sich einfach entspannen»
  • Augenrollen, Seufzen, Ungeduld zeigen
  • Vorschnelle psychische Diagnosen stellen
  • «Ich sehe, dass Sie leiden»
  • «Erzählen Sie mir mehr darüber»
  • «Wie wirkt sich das auf Ihren Alltag aus?»
  • «Körper und Seele hängen eng zusammen»
  • «Es gibt Behandlungsmöglichkeiten»
  • «Wir nehmen Ihre Beschwerden ernst»
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Zusammenhänge erkennen, Denkmuster verändern
  • Tiefenpsychologische Verfahren: Unbewusste Konflikte aufarbeiten
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training, medizinische Hypnose
  • Körpertherapie: Körperwahrnehmung verbessern, Spannungen lösen
  • Kunst- und Musiktherapie: Nonverbaler Ausdruck von Gefühlen
  • Medikamente: Bei Bedarf Antidepressiva oder Angstlöser. Ergänzend kann auch Arbeit mit dem Unterbewusstsein hilfreich sein.
  • Lebensstiländerungen: Stressreduktion, Bewegung, Ernährung
  • Psychosomatik: Körper und Seele sind untrennbar verbunden
  • Die Beschwerden sind real: Keine Einbildung, keine Simulation
  • Häufige Symptome: Rückenschmerzen, Magen-Darm, Kopfschmerzen, Herzrasen
  • Auslöser: Stress, unterdrückte Gefühle, Lebenskrisen, Traumata
  • Wichtigste Regel: Ernst nehmen, zuhören, nicht bewerten
  • Behandelbar: Psychotherapie, Entspannung, ganzheitlicher Ansatz

psychésoma

12345

80%
Leiden vorübergehend an somatoformen Symptomen
33%
Patienten ohne organischen Befund
Frauen häufiger betroffen als Männer
ψυχή
Atem, Hauch, Seele
σῶμα
Körper, Leib